Im zeitigen Frühjahr 1789 wurde mit dem Kirchenbau , nach Plänen von Werkmeister Schoeffer aus Heidelberg begonnen. Nach seinen Plänen blieb der alte Kirchturm stehen. Die Bauern schafften mit ihren Fuhrwerken das Baumaterial heran und stifteten den Bauhandwerkern auch mal eine Brotzeit. Die auswärtigen Bauleute waren beim Kronenwirt (Wirtshaus neben der Kirche) untergebracht. Aber auch Handwerker, Tagelöhner und Knechte, ja die ganze Familie, trugen ihren Teil zum Gelingen des Kirchenneubaus bei.
Die Gottesdienste fanden während der Zeit des Kirchenneubaus in der protestantischen Kirche statt. Der Bau ging zügig voran, so dass bereits im Spätjahr 1789 das Richtfest gefeiert werden konnte. Die Kosten des Kirchenneubaus beliefen sich auf 8100 Gulden, also 100 Gulden mehr als geplant. Seit dem Abriss der alten Kirche bis zur Fertigstellung des Rohbaues war gerade ein Jahr vergangen. Das Langhaus ist 30,45 m lang, 12,60 m breit und 8,92 m hoch. Es hat vier Fensterachsen, und der Chor ist aus fünf Seiten eines Zwölfecks gebildet. Das Langhaus hat einfache, rechteckige Seitenportale.
Bis zur Fertigstellung der Kirche verging noch ein weiteres Jahr. Dann hatten auch die Maler und Stukkateure ihr Werk vollendet.
Die Kirche war jetzt zwar fertiggestellt, aber es fehlte noch die Inneneinrichtung. Deshalb wurde der alte Altar und die beiden Seitenaltäre weiter benutzt. Sie waren aber für die neue Kirche viel zu klein und dazu noch baufällig. Es gab auch keine Kirchenbänke, so dass sich jeder Gottesdienstbesucher einen eigenen Stuhl mitbringen musste, wenn er sitzen wollte.
Die Inneneinrichtung:
Nach eindringlichen Bitten des damaligen Pfarrers Johann Baptist Scharvogel, der das Fehlen von jeglicher Inneneinrichtung in einem Brief an die Churfürstlich-Rheinpfälzische Güterverwaltung im Jahre 1801 bemängelte, wurde mit der vollständigen Inneneinrichtung der Kirche im Februar 1802 begonnen. Die Bauern von Ilvesheim spannten ihre Wagen ein, um in Heidelberg in der Dominikanerkirche die Inneneinrichtung abzuholen. Anfang März konnte Pfarrer Scharvogel mit seiner Gemeinde in der neu eingerichteten Kirche den ersten Gottesdienst halten.
Der Hauptaltar:
Zu Seiten des Mittelstücks tragen je 3 Säulen mit Kompositkapitellen ein Gebälk. Das Altarbild aus der 1.Hälfte des 19.Jahrhunderts stellt den Auftrag Jesu an den heiligen Petrus dar. Links und rechts stehen die Statuen von Bischöfen, die einen Kelch bzw. ein Buch in ihren Händen halten (beide aus Holz; etwa 1,7 m hoch). In der Bekrönung erkennt man Gottvater und die Taube als Sinnbild für den Heiligen Geist. Rechts und links sieht man Maria und Josef. In den Baldachinnischen seitlich am Tabernakel stehen Figuren der hl. Scholastika und des hl. Franz (Höhe etwa 0,5 m ; um 1770). Der Altar und alle Figuren wurden 1956 neu gefasst.
Der Seitenaltar vor 1950-beide Seitenaltäre wurden 1956 an die kath. Kirchen in Strittmatt (Kreis Waldshut) abgegeben und Neunkirchen (Mosbach) abgegeben.
Die Kanzel:
Am Korb sind Glaube, Hoffnung und Liebe dargestellt. Auf der Bekrönung des Schalldeckels befinden sich die vier Evangelisten und Johannes der Täufer. Die Kanzel wurde um 1725 gebaut.
Der Taufstein:
Achtseitiges Becken (Durchmesser 0,60 m) aus rotem Sandstein mit den Reliefs eines Engels und eines Früchtekorbs. Der Taufstein ist aus dem Jahre 1724.
Die Gemälde:
An der Südseite des Langhauses eine Pieta, Öl auf Leinwand, die auf Holz aufgeklebt ist. Das Gemälde ist 1,30 m hoch und 0,95 m breit. Es wurde in der 1. Hälfte des 17.Jh. vermutlich von einem italienischen Künstler gemalt.
An der Nordseite ein Bild mit der Verkündung an Maria mit Putten, Öl auf Leinwand, das auf eine Hartfaserplatte aufgezogen ist. Das Bild 0,82 m hoch und 0,61 m breit. Es entstand um 1600.
Die Kirchenfenster:
Die Kirchenfenster wurden 1877 von dem Heidelberger Kunstglaser H.Beiler angefertigt die Originalquittung über 270,- DM befindet sich im Pfarrarchiv in Ilvesheim. Seit der Renovierung sind diese Fenster verschollen.
Der Kreuzweg:
14 Bilder mit den üblichen Stationen
Die Orgel:
Die letzte Orgel von 1950, an der u.a. "Edi" Grabinger, Franz Meggle und später dessen Sohn Michael lange Jahre den Organistendienst versahen, wurde im Jahr 2000 durch eine neue Orgel ersetzt. Die Orgelweihe fand am 01.10.2000 statt.
Die Glocken:
Vermutlich waren in dem alten Glockenturm zwei Glocken vorhanden, die beim Einsturz des alten Turmes im Jahre 1795 stark beschädigt wurden. Pfarrer Scharvogel schreibt, dass er sie erst von Schutt befreien musste. 1798 wird berichtet, dass nur noch eine Glocke vorhanden ist, die im Dach der Kirche aufgehängt ist. Bis zum Bau des neuen Turmes (1817) war demnach nur eine Glocke vorhanden. 1817 bestellte die kath. Gemeinde beim Glockengießer Speck eine große Glocke von 700 Pfund und eine weitere von 197 Pfund. Für die beiden Glocken musste die Gemeinde 1013 Gulden und 6 Kreuzer aufbringen. Dieser Betrag wurde durch Spendensammlungen in der Gemeinde aufgebracht. Das Glockengeläut von Ilvesheim bestand demnach von 1817 bis 1914 aus drei Glocken, und zwar:
Große Glocke: 700 Pfund; gegossen 1817 von Speck in Heidelberg,
1914 eingeschmolzen.
Mittlere Glocke: 420 Pfund; sie stammte noch von der alten Kirche;
1914 eingeschmolzen.
Kleine Glocke: 197 Pfund; Ton g; 1922 für 12950 Reichsmark nach
Mannheim-Rheinau verkauft. Die Schulterinschrift
der Glocke lautet: Aus guten Beträgen der kath.
Gemeinde Ilvesheim wurde ich gegossen von Lucas
Speck in Heidelberg Anno 1817.
Für die beiden Bronzeglocken, die im 1. Weltkrieg eingeschmolzen wurden, erhielt die kath. Gemeinde 2250 Reichsmark Kriegsanleihe. Im Jahre 1922 schaffte die Gemeinde drei Stahlglocken an, wovon heute noch die beiden größeren im Turm hängen. Bronzeglocken waren damals zu teuer.
Die Türme:
Der am 5. Dezember 1795 eingestürzte Kirchturm stammte vermutlich noch aus romanischer Zeit.
Nach dem Einsturz erstellte die kath. Kirchengemeinde einen neuen Turm.
Man entschied sich für einen massiven, steinernen Turm, der vor das Langhausgesetzt wurde und einen Durchgang zum Kircheninneren hatte. Im März 1815 legte Werkmeister Schoeffer Pläne und Überschläge dem katholischen Kirchenrat vor, der sie für gut befand. Am 28.4.1816 erging ein Antrag an den Großherzog von Baden um einen Zuschuss für den Turmbau. Der Antrag ist unterschrieben von Pfarrer Faust und den Kirchenräten Peter Claus, Peter Witz, Heinrich Berthold, Adam Lang, Josef Dieterich (kath. Schullehrer). Im Frühjahr 1817 begannen die Arbeiten am Turm. Für den Bau wurden die Backsteine des alten Turmes verwendet; zudem waren 3000 neue Backsteine und 400 Mulden Kalk erforderlich. Diese Baumaterialien wurden von den Bauern mit Pferdegespannen herbeigeschafft. Am 12.9.1817 wurde das Richtfest gefeiert, wobei die Zimmerleute beim Richtspruch die vom Kronenwirt gestifteten Halstücher trugen. Der Turm ist 49 m hoch. Über dem Hauptportal wurde die Statue der Immakulata aufgestellt, die aus dem Giebel der alten Kirche übernommen wurde. Die Kosten beliefen sich auf 5430 Gulden.
Die Renovierungen
Die im 2. Weltkrieg entstandenen schweren Schäden an der Pfarrkirche konnten 1948 wieder beseitigt werden.
Im Jahre 1955 erfolgte die Außenrenovierung. Das Gebälk des Dachstuhls wurde ausgebessert, der Kirchenspeicher mit Dielen versehen und das Kirchendach neu gedeckt.
Im August 1956 wurde mit der Innenrenovierung der Kirche begonnen, die weit mehr Zeit beanspruchte als die Außenrenovierung. Sie war nicht ganz einfach; denn es musste einerseits der barocke Charakter der Kirche erhalten bleiben, andererseits sollte eine Modernisierung der Kirche erreicht werden. Der ganze Kirchenraum wurde hell und freundlich vom Kirchenmaler Eugen Heller (Mannheim) ausgemalt, der die Barockfarbskala sehr fein traf: vom zarten rosaweiß der Wände über die grünblaue Hohlkehle zur grauweißen Decke.
Während Orgel und alle Figuren in weiß-gold gefasst wurden, blieben Bänke und Kanzel im dunkelbraunen Farbton. Die beiden Steinsäulen und der schöne Taufstein wurden freigelegt. Der Taufstein wurde mit einem kupfergetriebenen Deckel mit Weltkugel und Kreuz versehen, den der Ilvesheimer Hans Braun fertigte.
Die größten Schwierigkeiten bereitete die Gestaltung des Chorraumes. Der Hochaltar, der an der Spitze in die Decke hineinragte, wurde etwas verjüngt, oben abgenommen und erhielt einen figuralen Abschluss. Der neue Panzertabernakel mit seinen schönen blauen Emailleplatten und dem Spruch in Goldbuchstaben "HOC EST ENIM CORPUS MEUM" bildet den Mittelpunkt des Hochaltars. Der Verbleib der Seitenaltäre ist an anderer Stelle schon vermerkt.
Die schwere, steinerne Kommunionbank wurde freigelegt, verkürzt und um eine Stufe herabgesetzt. Der Boden des Chores wurde mit neuen Natursteinen belegt.
Im Vorraum der Kirche wurden zwei neue, aus Naturstein gehauene Weihwasserschalen angebracht, und der Christuskörper erhielt ein Kreuz aus Steinplatten. Eine Inschrift mahnt jeden Besucher zum Gedenken der Gefallenen beider Weltkriege. Die 12 neuen Farbglasfenster, die von dem Ilvesheimer Kunstglaser Eduard Grabinger geschaffen wurden, geben der Kirche einen hellen, freundlichen Glanz.
Die jüngste große Renovierung fand 1990/91 statt. Neben zahlreichen farblichen Veränderungen fällt der neue Zelebrationsaltar auf, der endlich den provisorischen Altartisch ablöst. Hier, sowie am Ambo und um die Fenster herum ranken sich nun goldfarbene Blütenblätter aus Messing. Im Kirchenschiff wurde der alte Kunstmarmorboden durch Sandstein ersetzt und damit auf Drängen des Landesdenkmalamtes dem Chorboden angepasst.
Die Kirche erhielt eine neue Heizung, an den Seitentüren wurden gegen den Luftzug Glastüren angebracht, die alte enge Sakristei wurde abgerissen und geräumiger sowie mit Toilette ausgestattet wieder aufgebaut.
Ein Eisengitter zwischen Eingang und Kirchenschiff erlaubt nun, dass die Kirchentür für Menschen, die die Ruhe einer Kirche suchen, offen bleiben kann.
Die Renovierung hat insgesamt ca. 1,2 Mio Mark verschlungen, die zum überwiegenden Teil von der Pfälzer Kirchenschaffnei gezahlt worden waren.







